Heiliger Gral 

Hier und da wird die Meinung geäußert, Jesus habe in der Zeit vor seinem öffentlichen Auftreten, während seiner im Verborgenen liegenden Jahre, Britannien besucht; Er war in Somerset, vielleicht verbrachte er dort sogar geraume Zeit. Die Druiden waren auf ihn vorbereitet, denn sie hatten einen Gott Esus oder Ycsu. Da, wo später Glastonbury Abbey stehen sollte, errichtete er ein kleines Gebäude, das ihm eine Zeitlang als Heimstatt diente. Er wanderte über die Mendip Hills nach Norden, dorthin, wo sich heute Priddy befindet.  Möglicherweise war er auch in Cornwall; dort sagt man, daß der Jesus Well, ein Brunnen nahe der Mündung des Camel, ihm zum Gedenken gebaut worden sei. Und in der Folklore finden sich hier hier da Hinweise darauf, daß Jesus auch andere Orte besuchte, so zum Beispiel St-Just in Roseland.

Gral

Wenn er wirklich in Britannien gewesen ist, dann wahrscheinlich in seiner Jugend in der Gesellschaft von Joseph von Arimathia , dem reichen Mann, der nach der Kreuzigung von Pilathus den Leichnam erlangte und ihn ins Grab legte. Die Abtei von Glastonbury kann nichts vorweisen, was auf einen Besuch von Jesus hindeutet, aber im Bericht über ihre Entstehung ist viel von Joseph von Arimathia die Rede. Im Jahre 63 n. Chr., so heißt es, war er mit dem Apostel Philipp auf einer Missionsreise in Gallien. Philipp schickte ihn als Oberhaupt einer zwölfköpfigen Gruppe hinüber nach Britannien. Sie segelten den Bristol Channel hinauf und reisten per Boot über die Seewege im Inland bis zur Hügergruppe von Glastonbury, die damals unter dem Namen die Ynys-witrin, die "Glasinsel" bekannt war. Als sie im Fuße einer dieser Hügel an Land gingen, fühlten sie sich veary all, "alle müde", daher heißt dieser Berg bis heute Vearyall. Joseph rammte seinen Stab in den Boden, und er entwickelte sich zu einem Baum, dem Holy Thorn  (Heiliger Dorn), der zu Weihnachten blühte.  Der britische König Aiviraigus, der damals an der Regierung war, zeigte zwar keinerlei Interesse an ihren Predigten, aber er bewies seinen guten Willen und übertrug ihnen ein Stück Land. Dort bauten sie, einem Befehl des Engels Gabriels folgend, die erste Kirchr Brittanniens. Dort lebten und starben sie; danach fiel sie vorübergehend wieder an die Wildnis zurück. Von Joseph heißt es allerdings nicht im Bericht der Mönche, er habe das Gefäß des Letzten Abendmahls, den Gral, wie es genannt wurde, mitgebracht. Es barg übernatürliche Kräfte in sich, ging in die Verwahrung eines nicht recht greifbaren Wächters über und wurde mehrere Jahrhunderte später zum Zielobjekt einer mystischen Suche. Die literarischen Bearbeitungen des Artus und Gralsstoffes gehörten zu der am weitesten verbreiteten Lektüre im hohen und späten Mittelalter. Der Nordfranzose Chrétien de Troyes gilt als der erste Dichter, der die beiden ursprünglich getrennten Sagenkreise miteinander verknüpfte und damit eine neue Gattung des höfisch-ritterlichen Epos begründete. In seinem etwa 1180-90 entstandenen, unvollendet gebliebenen Roman Li Contes del Graal - auch Perceval genannt - ist der Gral ein mit Edelsteinen geschmückter und in übernatürlichem Glanz erstrahlender goldener Hostienbehälter. Die im Perceval durch den Bezug zur blutenden Lanze anklingende Bedeutung des Grals als Passionsreliquie und deren Verbindung zur christlichen Liturgie betonte Chrétiens Zeitgenosse Robert de Boron in seiner von apokryphen Evangelien beeinflußten Dichtung Le Ronwn de lwstoire dou Graal (vor 12 01/0 2). Danach diente der Gral als Schale beim Abendmahl Christi und als das Gefäß, in dem Joseph von Arimathia das Blut des Gekreuzigten auffing. Diese Auffassung fand Eingang sowohl in die Fortsetzungen des Perceval wie auch in den großen Romanzyklus Lancelot en prose, eines der einflußreichsten Werke der mittelalterlichen Artusepik (um 1215-30, dt. 1250). In den bislang zu wenig beachteten Illuminationen der französischen Artusdichtungen wurde der Gral unterschiedlich dargestellt, je nachdem, in welchem Zusammenhang er vorkam: als große Schale, als Kelch oder Hostienziborium. Eine ganz eigenständige und von der französischen Uadition losgelöste Gralsvorstellung begegnet in Wolframs von Eschenbach Parzival(um 1200-1210). Der deutsche Dichter faßte den Gral als Stein mit wundertätigen Eigenschaften auf und brachte ihn mit dem bis heute rätselhaft gebliebenen Namen "lapsit exillis" in Verbindung.

Der Heilige Gral

Alljährlich legt eine vom Himmel kommende Taube die Hostie auf das geheimnisvolle "dinc" und erneuert so seine Kraft, die u. a. Jugend verleiht und Speisen in jeder gewünschten Fülle spendet. Unter dem Eindruck des Parzival entstanden in der Nachfolge Wolframs zahlreiche weitere deutsche Gralsdichtungen, von denen der Jüngere Titurel des Albrecht (von Scharfenberg ?) die bei weitem größte Bedeutung und Nachwirkung erlangte). Der Gral erscheint hier als eine aus einem Edelstein geformte Schüssel und wird wie bei Boron mit dem Letzten Abendmahl und Joseph von Arimathia in Bezug gesetzt. Besonderes Interesse hat Albrechts phantastische Schilderung des an das Himmlische Jerusalem der Apokalypse erinnernden Gralstempels gefunden. Die kunst- und die literaturwissenschaftliche Forschung erkannten darin eine einzigartige dichterische Formulierung mittelalterlicher Architekturideale, sei es romanischer, gotischer oder byzantinischer Stilprägung. Die bildende Kunst des 19. Jahrhunderts nahm die Gralstempelvision zum Ausgangspunkt für ganz unterschiedliche Darstellungen des von Titurel auf dem Berg Montsalvatsch, errichteten Wunderbaues. Im Unterschied zum Nibelungenlied boten die auf französischen Ursprüngen beruhenden Artus- und Gralsstoffe keine Anknüpftingsmöglichkeiten für nationalpatriotische Identifikationen und wurden von deutschen Künstlern, anders als etwa im viktorianischen England, erst spät und in bemerkenswert geringem Umfang aufgenommen.

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